Stiftung

für Neurowissenschaftliche
Forschung und Rehabilitation Trier

Gründung

Die Stiftung wurde am 28. Januar 1999 von Herrn Dr. Maximilian Bickhoff (Dortmund) mit Stiftungsgeschäft und Stiftungssatzung unter dem Namen Stiftung für Neuro- und Psychobiologische Forschung in Trier errichtet. Die rheinland-pfälzische Bezirksregierung Trier hat die Errichtung der Stiftung gemäß § 80 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in Verbindung mit § 4 Abs. 1 des Stiftungsgesetzes von Rheinland-Pfalz mit Urkunde vom 1. Juli 1999 (Az.: 153-43) genehmigt.

Anlass für die Errichtung der Stiftung und die Einbringung von Privatmitteln in Höhe von annähernd 9 Millionen Euro, war die Intention von Dr. Bickhoff, die Weiterführung der neurowissenschaftlichen Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Werner Wittling zur Risiko-Früherkennung und Präventionsforschung auf der Grundlage autonom-nervöser Regulationsprozesse langfristig zu gewährleisten. Aus diesem Grunde machte er die Stiftung laut Erbschein des Amtsgerichtes Dortmund vom 10. September 2010 auch testamentarisch zur Alleinerbin seines Vermögens.

Mit Beschluss vom 28. März 2006 hat der Vorstand der Stiftung mit Zustimmung des Stifters eine Änderung der Verfassung beschlossen. Die Neufassung der Stiftungsverfassung wurde mit Bescheid vom 12. April 2006 von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz anerkannt. Unter anderem wurde der Namen der Stiftung geändert, um den Stiftungszweck noch besser zum Ausdruck zu bringen. Er lautet nunmehr: Stiftung für Neurowissenschaftliche Forschung und Rehabilitation.

Dr. Maximiliam Bickhoff
Dr. Maximilian Bickhoff (*19.09.1929 – †03.05.2010) Gründer der Stiftung für Neurowissenschaftliche Forschung und RehabilitationTräger der Universitätsmedaille der Universität Trier Ehrensenator der Universität Eichstätt-Ingolstadt

Rechtsform und Gemeinnützigkeit

Die Stiftung für Neurowissenschaftliche Forschung und Rehabilitation ist eine Stiftung des Bürgerlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit. Die Stiftung arbeitet selbstlos und ohne Gewinnabsicht. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der §§ 51 . der Abgabenordnung. Die Gemeinnützigkeit der Stiftung ist zuletzt im Bescheid vom 05. Mai 2018 für die Jahre bis 2023 vom zuständigen Finanzamt Trier anerkannt worden. Für Kapitalerträge, die bis zum 31. Dezember 2019 zufließen, ist eine Freistellung vom Kapitalertragssteuerabzug genehmigt.

Die Stiftung hat am Ende eines jeden Kalenderjahres einen Rechenschaftsbericht sowie eine Jahresbilanz mit einer detaillierten Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben aufzustellen. Der Rechenschaftsbericht und die Jahresbilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung sind der Stiftungsaufsichtsbehörde vorzulegen. Das Stiftungsvermögen (Immobilien, Wertpapiere, Laborausstattung) ist in seinem Bestand ungeschmälert zu erhalten. Ein Rückgriff auf die Substanz des Stiftungsvermögens ist nur zulässig, wenn der Stifterwille nicht anders zu ver- wirklichen und der Bestand der Stiftung gewährleistet ist.

Stiftungsorgane

Einziges Organ der Stiftung ist der Stiftungsvorstand. Er vertritt die Stiftung. Dem Stiftungsvorstand obliegen die Geschäftsführung, insbesondere die Verwaltung des Stiftungsvermögens und die Erfüllung des Stiftungszwecks in Übereinstimmung mit der Stiftungsverfassung. Die Mitglieder des Stiftungsvorstandes arbeiten ehrenamtlich. Da keine Verwaltungskosten anfallen, kommen die Stiftungsmittel in vollem Umfang und ohne Abzüge dem Stiftungszweck zugute.

Der Stiftungsvorstand besteht aus drei natürlichen Personen. Mit Beschluss vom Dezember 2017 erfolgte die Wieder- bzw. Neubestellung der folgenden Mitglieder für die laufende Amtszeit bis zum 04. August 2020:

Univ.-Prof. Dr. phil. Werner Wittling, Neunkirchen (Vorsitzender)
Dipl.-Kfm. Friedhelm Weber, Dortmund
Johann Hans Haase, Wesel (Neubestellung)

Stiftungszweck

Die Stiftungsverfassung legt fest, dass mit den Mitteln der Stiftung ausschließlich und unmittelbar Projekte und Aktivitäten gefördert werden, die der neurowissenschaftlichen Forschung, Rehabilitation und Weiterbildung dienen. Neben der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung liegen die zentralen Schwerpunkte der Forschungsförderung auf den Gebieten der Risiko-Früherkennung und Präventionsforschung, der autonom-nervösen Regulationsforschung sowie der

Entwicklung und Validierung innovativer Untersuchungs- und Rehabilitationsverfahren und der dazu erforderlichen Software und Hardware Systeme. Darüber hinaus werden interdisziplinäre Kooperationsprojekte gefördert, die der Bündelung der Kompetenzen benachbarter Disziplinen wie Innere Medizin, Psychosomatik, Neuropsychologie, Ingenieurwissenschaften und Informatik dienen, sowie Projekte, die der wissenschaftlichen Weiterbildung und dem Erfahrungsaustausch auf nationaler und internationaler Ebene dienen.

Erläuterung des Stiftungszwecks

Stressbedingte Erkrankungen stellen eine zentrale Herausforderung unseres heutigen Gesundheitssystems dar. Nicht nur die bedrückende Tatsache, dass in Deutschland alle 90 Sekunden ein Mensch an den Folgen einer Herz-Kreislauferkrankung verstirbt, steht in einem Großteil der Fälle in einem engen Zusammenhang mit chronischer Stresseinwirkung unterschiedlichster Genese. Sondern auch zahlreiche andere internistische, psychosomatische und neurologische Erkrankungen stehen ebenso wie Burnout häufig in einem engen Zusammenhang zu Stress. Unabhängig von dem persönlichen Leid der Betroffenen und ihrer Familien hat diese Tatsache natürlich auch weitreichende Implikationen für die Volkswirtschaft.

Die Medizin verfügt zwar glücklicherweise über eine ganze Palette traditioneller Risikomarker, die für sich allein oder in Kombination in der Lage sind, die Gefährdung für ernsthafte oder lebensbedrohliche Erkrankungen vorherzusagen. Ein grundlegendes Problem dieser traditionellen Risikomarker besteht jedoch darin, dass die Krankheitsentstehung meist schleichend verläuft und die Risikofaktoren oft erst dann ansprechen, wenn der Krankheitsprozess schon vorangeschritten ist und bereits zu strukturellen oder funktionellen Veränderungen im Organismus geführt hat (Entzündungsprozesse, arteriosklerotische Veränderungen, endokrine Veränderungen usw.).

Zielsetzung jeder präventiven Diagnostik muss es daher sein, echte Frühindikatoren zu finden, die in der Lage sind, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt, und zwar noch vor dem Auftreten der traditionellen Risikomarker, sich anbahnende funktionelle Veränderungen in den Regulationsprozessen des Organismus zu erkennen und die als Auslöser des Krankheitsprozesses zu werten sind, an dessen Ende klinisch erfassbare Erkrankungen stehen.

Die Hirnforschung hat seit der Ausrufung der „Dekade des Gehirns“, Ende des letzten Jahrhunderts, eine Entwicklung vollzogen, die an Rasanz und Tragweite mit kaum einer anderen Disziplin zu ver- gleichen ist. Neben vielen anderen Auswirkungen haben diese Forschungen auch zu einem veränderten Verständnis körperlicher Erkrankungen geführt. Krankheiten manifestieren sich zwar immer in spezifischen Körperorganen. Die Ursache für die Erkrankung ist jedoch in den seltensten Fällen im Organ selbst zu finden, sondern in Funktionsstörungen von übergeordneten, im Gehirn angesiedelten Kontrollsystemen, die für Regulation und geordnete Funktionsweise der jeweiligen Organe zuständig sind. Das in der Vielfältigkeit seiner Auswirkungen auf die Körperorgane und Körperprozesse mit Abstand bedeutsamste und umfassendste Regulationssystem des menschlichen Organismus ist das Autonome Nervensystem (ANS).

Es gibt praktisch kein Körperorgan und keine Körperprozesse, die nicht einer Steuerung durch das autonome Nervensystem unterliegen. Insofern gibt es nach derzeitiger Auffassung auch kaum eine Erkrankung, bei der das autonome Nervensystem nicht in irgendeiner Art und Weise involviert ist. Lange bevor zum Beispiel klinisch fassbare Erkrankungen sichtbar werden und selbst bevor traditionelle Risikofaktoren auf klinisch relevante Veränderungen hinweisen, lassen sich häufig Störungen im Regulationssystem des autonomen Nervensystems nachweisen, die, wenn sie therapeutisch nicht rechtzeitig angegangen werden, einen pathogenen Entwicklungsprozess in Gang setzen, an dessen Ende klinisch fassbare Erkrankungen stehen. Obgleich die Existenz des autonomen Nervensystems als anatomische Struktur bereits erstmals 1921 von Langley beschrieben wurde, hat es praktisch bis Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts gedauert, bis die überragende Bedeutung dieser Hirnstruktur in der medizinischen und neurowissenschaftlichen Forschung erkannt wurde, was dann allerdings zu einem beträchtlichen Anstieg der Forschungsarbeiten führte. Dennoch muss betont werden, dass die Forschung erst am Anfang steht und beträchtlicher Nachholbedarf sowohl im Verständnis der Funktionsabläufe wie auch in der klinischen Relevanz und in den Möglichkeiten der nicht invasiven Messung autonomnervöser Prozesse besteht. Außerdem ist nicht zu übersehen, dass die klinische Praxis noch weit davon entfernt ist, die außerordentlichen Möglichkeiten der autonom-nervösen Funktionsdiagnostik zu realisieren. In Anbetracht der oben dargestellten Situation besteht der vorrangige Stiftungszweck darin, Projekte und Aktivitäten zu fördern, die zu einem verbesserten Verständnis der Funktionsweise des autonomen Nervensystems beitragen, die klinischen Anwendungsmöglichkeiten erweitern und auf die Entwicklung und empirische Validierung neuer, verbesserter Verfahren der nicht invasiven Messung autonom-nervöser Regulationsprozesse und Regulationsstörungen abzielen.

Letztlich soll damit eine Verbesserung der Risiko-Früherkennung mit dem Ziel erreicht werden, autonom-nervöse Risikofaktoren, die die Bereitschaft zur Entwicklung stressbedingter Erkrankungen erhöhen und geeignet sind, pathogene Entwicklungsprozesse in Gang zu setzen, rechtzeitig zu erkennen, um auf diese Weise eine Krankheitsprävention zu einem möglichst frühen Zeitpunkt zu erreichen.

Bisherige Förderaktivitäten

Als bisherige Förderaktivität und als zentrale Maßnahme zur Realisierung des Stiftungszwecks beschloss die Stiftung im November 2000 die Gründung des „Zentrums für Neuropsychologische Forschung (ZNF)“.

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Zentrum für Neuropsychologische Forschung (ZNF)

Durch einen Beschluss des Senats der Universität Trier wurde das Zentrum im Jahre 2000 als Einrichtung des Fachbereichs I unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Werner Wittling errichtet. In einem Zuwendungsver- trag mit der Universität wurden die recht- lichen und organisatorischen Grundlagen für die Förderung und Finanzierung des Forschungszentrums sowie die Einbindung in Forschung und Lehre festgelegt.

Gemäß dieser Vereinbarung wurde bestimmt, dass zugewendete Stiftungsmittel zum Aufbau und Betrieb des ZNF zu verwenden seien. Zur Verwirklichung der Stiftungsziele wendete die Stiftung der Universität Trier bis zum Jahre 2010 einen Betrag von über fünf Millionen Euro. Hiervon entfielen etwa zwei Millionen Euro auf den Aufbau der Forschungslabore und die Beschaffung von Großgeräten. Weitere drei Millionen Euro entfielen auf Personalkosten für Mitarbeiterstellen, Doktoran- denstipendien und Aufwendungen für die Durchführung von Forschungsarbeiten. Die Universität ihrerseits unterstützte das Forschungszentrum mit der Bereitstellung von drei Mitarbeiterstellen sowie mit der Anmietung von geeigneten Räumlichkeiten mit einer Fläche von über 400 Qua- dratmetern.

Weitere finanzielle Unterstützung erhielt das Forschungszentrum in diesem Zeitraum über eine Drittmittelförderung in Höhe von 840 000 Euro durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung im Zusammenhang mit dem Internationalen Graduiertenkolleg „Integrated Neuroscience“, an dem zwei weitere internationale Forschungseinrichtungen beteiligt waren. Weiterhin erfolgte eine Drittmittelförderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Höhe von 350 000 Euro für das gemeinsame Entwicklungsprojekt „Multi Core Modul“ mit der Firma Telmed GmbH, München. Kleinere finanzielle Zuwendungen erfolgten von verschiedenen anderen Einrichtungen aus den Bereichen Wirtschaft und Forschung.

Im zurückliegenden Zeitraum waren zehn fest angestellte Mitarbeiter permanent oder zeitweise im Rahmen von neurowissenschaftlichen Forschungsarbeiten beschäftigt (Psychologen, Neurologen, Neuroradiologen). Darüber hinaus waren sieben Doktoranden/Doktorandinnen mit Stipendienverträgen am Forschungszent- rum beschäftigt. Außerdem entstanden in diesem Zeitraum 15 Promotionsarbeiten.

Am Zentrum für Neuropsychologische Forschung wurde neben einem regelmäßig stattfindenden Forschungskolloquium für Diplomanden und Doktoranden ein breites Spektrum an Lehrveranstaltungen zu zentralen Themenbereichen der Neurowissenschaften angeboten. Darüber hinaus erhielten im zurückliegenden Zeitraum 25 Studierende der Universität Trier die Möglichkeit, sich im Rahmen einer intensiv betreuten Diplomarbeit und eines forschungsorientierten Drei-Mona- te-Praktikums an laufenden Forschungsprojekten zu beteiligen und modernste Methoden der Hirnforschung kennen zu lernen. Außerdem wurde 16 Studierenden die Möglichkeit geboten, sich im Rahmen mehrmonatiger wissenschaftlicher Hilfskrafttätigkeit intensiv in unterschiedliche methodische und inhaltliche Arbeitsfelder der Neurowissenschaften einzuarbeiten.

Ein zentraler Stellenwert kam der intensiven Betreuung von Doktoranden zu, die sich auf neurowissenschaftliche Themenstellungen spezialisiert hatten. 14 Doktoranden erhielten die Möglichkeit, im zurückliegenden Zeitraum am Forschungszentrum unter intensiver Betreuung zu promovieren. Die Finanzierung der überwiegenden Zahl der durchgeführten Promotionsarbeiten erfolgte über Promotionsstipendien, die von der Stiftung für Neurowissenschaftliche Forschung und Rehabilitation vergeben wurden. Darüber hinaus war das Forschungszentrum eng in die Betreuung von 12 Doktoranden eingebunden, die im Rahmen des von der Alfried Krupp Stiftung finanzierten Graduiertenkollegs „Integrated Neuroscience“ als Stipendiaten der Neurowissenschaften ein intensives und eng betreutes Studienprogramm absolvierten, wobei sie die Möglichkeit hatten, an den Laboratorien der drei beteiligten Einrichtungen Forschungsarbeiten durchzuführen und deren Arbeitsweise kennen zu lernen (vgl. „Forschungskooperationen“).

Im Jahre 2002 errichtete das Forschungszentrum eine Abteilung für „Funktionelle Magnetresonanztomographie und Neuroimaging“ im Brüderkrankenhaus Trier. In einem Kooperationsvertrag mit dem Brüderkrankenhaus Trier wurden die Grundzüge der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen auf dem Gebiet der Neuroimaging-Forschung vereinbart. Im gleichen Jahr erfolgte die gemeinsame Bescha ung eines Magnet-Resonanz-Tomographen der neuesten Generation, der in einem dafür neu errichteten Trakt des Brüderkrankenhauses untergebracht wurde.

Zusätzlich zum eigentlichen Magnetraum wurden weitere Labor-, Untersuchungs- und Unterrichtsräume geschaffen, die optimale Forschungs- und Behandlungsmöglichkeiten bieten. Außerdem wurde eine permanente Datenleitung zwischen der Neuroimaging-Abteilung im Krankenhaus und den Laborräumen des Forschungszentrums an der Universität installiert.

Ergänzend zur Abteilung für Magnet-Resonanz-Tomographie verfügt das ZNF über ein breites Instrumentarium an modernen Forschungsmethoden und Laboratorien:

  • Labor für experimentelle Neuropsychologie und Hemisphärenforschung
  • Labor für Klinische Neuropsychologie und Rehabilitationsforschung
  • Labor für EEG-Forschung
  • Labor für autonom-nervöse Funktionsforschung
  • Entwicklungslabor (Elektronik- und Mechanik-Labor)

Am Zentrum für Neuropsychologische Forschung (ZNF) sind in den letzten Jahren zahlreiche Hardware- und Software-Entwicklungen entstanden, die neben der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung primär der Risiko-Früherkennung und Rehabilitation dienen, wie z. B.:

  • ANS-Explorer: Ein patentiertes System zur Messung und Quanti zierung der Risiko-Früherkennung mittels HRV-Analyse autonom-nervöser Regulationsprozesse
  • Fitness Observer: Ein patentiertes System zur Beurteilung der kardiovaskulären Erho- lungsreaktion nach körperlicher Belastung oder psychischer Stresseinwirkung
  • UBW Mobile Phone: Ein weltweit pa- tentiertes Mobilfunkgerät, das zusätz- lich zu den üblichen Funktionen eines Mobiltelefons eine mobile Erfassung autonom-nervöser Regulationsstö- rungen mittels Analyse der Herzraten- variabilität sowie die Messung weiterer Vitalfunktionen gestattet
  • Multi-Core Modul: Ein System zur Mes- sung der Herzratenvariabilität auf der Grundlage einer automatisierten EKG-Analyse. Das System ermöglicht jedem Endgerätehersteller die Implementierung einer validen HRV Berechnung und ist gleichzeitig die Voraussetzung zum Einsatz dieser neuen Technologie in miniaturisierten mobilen Endgeräten
  • Technik der lateralen visuellen Langzeitstimulation: Das weltweit erste computergestützte Verfahren zur Untersuchung funktionaler Hirnasymmetrien bei der Regulation kognitiver oder autonom-physiologischer Prozesse und ihrer krankheitsbedingten Veränderungen
  • Videookulographische Technik: Zur kontinuierlichen Ableitung, Aufzeichnung und Auswertung von Augenbewegungen und Pupillenveränderungen
  • Reaktionsperimeter: Laserunterstütztes neuropsychologisches Rehabilitations- system für die Diagnostik und Rehabilitation motorischer, visumotorischer und somatosensorischer Funktionsde zite
  • SensuPress: Ein Komplettsystem zur Analyse des normalen und durch Hirnschädigung beeinträchtigten sensomotorischen Reaktionssystems von Individuen einschließlich taktilmotorischer Prozesse
  • Sensomotorik-Trainer: Computergestützte Robotik zur Analyse und zum Training motorischer Bewegungsabläufe und der visumotorischen Koordination bei normalen Probanden und hirngeschädigten Patienten
  • Visueller Aufmerksamkeitstopograph Vis-A-Top 3D: Zur Diagnostik und Rehabilitation von Gesichtsfelddefekten, Aufmerksamkeitsstörungen und Neglekt-Symptomatik

Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Zentrums für Neuropsychologische Forschung umfassen bislang etwa 50 Publikationen in hochrangigen internationalen Zeitschriften der Neurowissenschaften (durchschnittlicher Impact Faktor 3.67) sowie zahlreiche Handbuchbeiträge und über 100 Kongressbeiträge. Arbeiten des Forschungszentrums wurden international im zurückliegenden Zeitraum über 700-mal zitiert. Außerdem entstand am ZNF die erste umfassende deutschsprachige Monographie zu den physiologischen Grundlagen und zu den klinischen Anwendungsmöglichkeiten der Herzratenvariabilität als innovativem Verfahren zur Risiko-Früherkennung.

Das Zentrum für Neuropsychologische Forschung hat in den zurückliegenden Jahren zahlreiche überdauernde wie auch projektorientierte temporäre Forschungs- und Entwicklungskooperationen mit nationalen und internationalen neuro wissenschaftlichen Universitäts- und Klinikeinrichtungen sowie mit Partnern aus der Industrie unterhalten. Im wissenschaftlichen Bereich sei insbesondere das vom Forschungszentrum initiierte Internationale Graduiertenkolleg „Integrated Neuroscience“ erwähnt, bei dem in Zusammenarbeit mit der Alfried Krupp Stiftung und den beteiligten Universitäten Bergen (Norwegen) und Greifswald 12 Stipendiaten der Neurowissenschaften in einem intensiven Studienprogramm bei der Durchführung ihrer Promotionsarbeiten betreut wurden. Das Studienprogramm beinhaltete u. a. regelmäßige Gastvorträge, Workshops, Symposien, Doktorandenkolloquien, methodische Weiterbildungsmaßnahmen sowie kurz- und langfristige Forschungsaufenthalte an den Laboratorien der beteiligten Einrichtungen.

Weitere wissenschaftliche Kooperationen umfassten insbesondere die langfristige Zusammenarbeit mit dem Institut für Public Health, Sozial- und Präventionsmedizin der Universität Heidelberg, dem Autism Centre (Dänemark), dem Pavlov Institute of Physiology (St. Petersburg), dem IfADo-Leibniz-Research Centre for Working Environment and Human Factors sowie dem Forschungs- verbund „Interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Neuromodulation, Neurorehabilitation und Informationstechnologie (IKNTec)“, der vom Forschungszentrum in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Stereotaxie und Neuromodulation des Brüderkrankenhauses Trier und dem Institut Innovative Informatik an der Fachhochschule Trier initiiert wurde.

Auch mit namhaften Partnern aus der Industrie bestehen Kooperationen und Dienstleistungsverträge. So fließt Knowhow in Form von Konzepten, Beratung und Softwarelösungen z.B. in den Aufbau eines firmeninternen standortübergreifenden Gesundheitsmanagementsystems bei der SAP AG und der Volkswagen AG. Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts „high vitality people“ von Arvato, iPEx5 und Microsoft ist Analysetechnologie des ZNF ein wichtiger Bestandteil der Zuliefererkette. Unter dem Namen iPEx5 wird ein ganzheitliches Konzept für „Betriebliche Gesundheitsvorsorge-Maßnahmen“ (BGM) angeboten, das es Firmen ermöglicht, einen jährlichen Gesundheitscheck der Mitarbeiter direkt auf dem Betriebsgelände mit zahlreichen medizinischen und diagnostischen Tests durchzuführen. Andere Firmen wie die BMW AG, die Airbus Group (zuvor EADS N.V), RWE AG oder die eOn AG schenken den Analysen des ZNF im Rahmen des BGM wiederholt ihr Vertrauen.

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Die Ausgründung: ZNF Zentrum für Neurowissenschaftliche Forschung, gemeinnützige GmbH

Mit dem altersbedingten Ausscheiden von Prof. Wittling aus der Universität Trier, Ende 2010, hat sich das Zentrum für Neuropsychologische Forschung aus der Universität ausgegründet und verselbständigt. Ein wesentlicher Grund für diese Entscheidung war durch die Tatsache gegeben, dass es sich abzeichnete, dass bei einer Nachfolgeregelung für die Neubesetzung der wissenschaftlichen Leitung des Forschungszentrums, die Verwirklichung des Stiftungszwecks nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet wäre.

Mit notarieller Urkunde vom 05. August 2010 hat die Stiftung das „Zentrum für Neurowissenschaftliche Forschung (ZNF- gGmbH)“ gegründet, das nunmehr die Tätigkeit des früheren ZNF unverändert weiterführt. Die Gesellschaft ist mit Bescheid des zuständigen Finanzamtes vom 09. Februar 2011 als gemeinnützig anerkannt. Sie ist im Handelsregister des Amtsgerichtes Wittlich unter HRB 41455 eingetragen. Die ZNF-gGmbH arbeitet in einem 2011 neu errichteten Forschungsgebäude (Am Wissenschaftspark 11, 54296 Trier), das sich im Eigentum der Stiftung be ndet. Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck der Gesellschaft ist laut Gesellschaftsver- trag vom 10. August 2010 die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Dieser Zweck wird, wie bereits beim Zentrum für Neuropsychologische Forschung, insbesondere mittels der Durchführung wissenschaftlicher Grundlagenforschung auf den Gebieten der neurowissenschaftlichen Präventionsforschung und Rehabilitation sowie die Durchführung und die Teilnahme an wissenschaftlichen Ver- anstaltungen und Forschungsprojekten verwirklicht. Zur Förderung des Gesell- schaftszwecks kann sich die Gesellschaft an anderen Unternehmen beteiligen. Der Förderung von Wissenschaft und Forschung dient auch die Auftragsforschung, soweit sie als Zweckbetrieb im Sinne von §68 Nr.9 AO betrieben wird.

Die ZNF-gGmbH finanziert, wie bereits ihre Vorgänger-Einrichtung (Zentrum für Neuropsychologische Forschung, ZNF), ihre Forschungsaktivitäten zum überwiegenden Teil aus dafür vorgesehenen Stiftungsmitteln. In Abstimmung mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion sowie der Finanzverwaltung des Landes Rheinland-Pfalz, darf die Stiftung ihre Erträge an die ZNF-gGmbH für die Verwirklichung der steuerbegünstigten Zwecke dieser Körperschaft weitergeben. Die Beschaffung von Erträgen für die ZNF-gGmbH ist Bestandteil des Stiftungszwecks. Zusätzliche Mittel zur Realisierung ihrer Forschungsaktivitäten erhält die ZNF-gGmbH darüber hinaus durch die im Jahre 2007 von der Stiftung als Anteilseignerin gegründete FINTEC-GmbH. Das primäre Ziel der FINTEC-GmbH liegt in der Anwendungsforschung und besteht darin, auf der Grundlage der Forschungsarbeiten der ZNF-gGmbH innovative diagnostische und therapeutische Verfahren zur Krankheitsprävention und Risiko-Früherkennung zu entwickeln und in Kooperation mit der als Vermarktungsgesellschaft gegründeten NEUROCOR & Co. KG zu vermarkten.

Aktueller Förderschwerpunkt

Um in breiten Schichten der Bevölkerung ein verbessertes Verständnis der herausragenden Bedeutung des autonomen Nervensystems als wichtigster Frühindikator von stressbedingten Erkrankungen zu wecken, wird derzeit ein neuer Förderschwerpunkt etabliert: Die Risiko-Früherkennung durch Netzwerk. Die Zielsetzung ist, den Ausbruch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sonstigen stressbedingten Erkrankungen zu vermindern und die Kosten für das Gesundheitssystem zu senken. Außerdem soll den betroffenen Personen die Möglichkeit gegeben werden, durch die Nutzung von einfachen, aber hochsensiblen Messverfahren, zur möglichst frühen Erkennung von krankheitsrelevanten Veränderungen zu gelangen und die Eigenverantwortlichkeit und Sensibilität für die eigene Gesundheitsvorsorge zu fördern. Realisiert werden soll diese Zielsetzung durch die enge Kooperation und Einbindung von Experten unterschiedlicher Ausrichtung im Rahmen eines umfassenden Netzwerks. Die Stiftung hat den Firmen NEUROCOR, HWV-Medical und Infarct-Protect den Auftrag zur Bildung eines solchen Netzwerkes erteilt, um einer möglichst breiten Masse der Bevölkerung kostengünstig die Teilnahme am Risiko-Frühwarnsystem zugänglich zu machen. Die beteiligten Firmen ergänzen sich dabei in ihren Aufgabenbereichen:

  • NEUROCOR verbindet im Wesentlichen das Netzwerk zwischen Firmen, Berufsverbänden und Ärzten. Die angebotenen Lösungen mit der dazugehörigen Infrastruktur, eigenen sich zur Durchführung von Gesundheitsuntersuchungen für Einzelpersonen, die in den Heilberufen von Therapeuten und Ärzten durchgeführt werden bis hin zur Untersuchung größere Personengruppen in Kliniken oder im Rahmen des betrieblichen Gesundheitswesens.
  • Infarkt Protect ist primär für das Netzwerk zwischen Ärzten und Apotheken zuständig. Mit dem Infarct Protect Programm ist der Patient in der Lage, in direktem Dialog mit einem Arzt ernsthafte Regulationsstörungen, Risiken für einen Schlaganfall und frühe Anzeichen für einen Herzinfarkt ohne großen Aufwand und Zeitbedarf zu erkennen und therapiebegleitend zu überwachen. Dies gilt insbesondere auch zur Vermeidung eines Reinfarktes. Als primäre Anlaufstelle ist ein flächendeckendes Netz von Apotheken vorgesehen.
  • HWV-Medical verbindet das Netzwerk zwischen Sportstätten, Fitness-Einrichtungen und Ärzten. Dieses Projekt richtet sich gezielt an sporttreibende Menschen, die sich entweder aus eigenem Antrieb, auf Anraten von Ärzten, im Rahmen von Rehamaßnahmen oder betrieblichen Gesundheitsprogrammen regelmäßig sportlich betätigen. Sportbedingte Veränderungen ihres Gesundheitszustandes werden dabei kontrolliert und unter kompetenter Anleitung von Fitnessexperten wird ein optimales Trainings- und Präventionsprogramm erarbeitet. Zusätzlich wird ein Endverbraucher Messgerät zur häuslichen Selbstkontrolle angeboten

Fazit

Auf diese Weise ist ein flächendeckendes Netzwerk für eine optimale Risiko-Früherkennung gewährleistet. Es steht zu erwarten, dass die Beobachtung und die Dokumentation des Verlaufes der positiven Auswirkungen von Anstrengungen zur Verbesserung der körperlichen Fitness und des Gesundheitsstatus aufgrund verstärkter sportlicher Aktivitäten oder sonstiger Veränderungen des Lebensstils, eine wesentliche Motivationsquelle für eine gesundheitsbewusstere Lebensweise darstellen.

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